Ein Tag im Mai

Endlich Wochenende, endlich Feiertag, endlich Sonne. Diesmal meint es das Wetter wirklich gut mit uns und zeigt sich von seiner besten Seite. Passend zum Feiertag. Heute werden bestimmt etliche Menschen draußen sein. In den Parks, der Stadt, auf dem Rad, in den Cafés, auch im Freibad… ein Grund mehr sich heute einen Ort draußen zu suchen, der verlassen und still ist. Roland und ich haben da schon eine Idee. Unser geheimer Ort mitten im Grünen auf dem Land. Und dahin verirren sich höchstens mal ein paar Fußgänger mit Hund oder Radfahrer. Außerdem ist es ein perfekter Ort um Fotos zu machen. Besonders bei diesem Sonnenschein. Sommerlich gekleidet mit Riesensonnenbrille vor den Augen geht es los. Raus ins Grüne Fotos machen, an diesem Tag im Mai…

Tag 09 – Oben am Bergkreuz

Bergkreuz

Fuenterroble de Salvatierra – San Pedro de Rozadas (28,7 km)

Was für ein Erlebnis unser gemeinsames Essen letzten Abend. Danach bin ich vollgefressen in unser mittlerweile noch muffigeres Schlafgemach gefallen. Schnell noch Ohropax rein, Augen zu und schlafen. Mitten in der Nacht wache ich geplagt von Magendrücken und Übelkeit auf. In Kombination mit dem muffigen Geruch von leicht feuchten Stinkesocken und der abgestandenen Luft des vollen Schlafraums, drehen sich meine Gedanken nur ums Erbrechen. So im Halbschlaf kämpfe ich noch mit mir einfach nur liegen zu bleiben und das Brechgefühl zu überschlafen. Nach mehreren Versuchen gebe ich auf. Vorsichtig klettere ich von meinem Hochbett runter, tippele zwischen schlafenden Pilgern ins eiskalte Bad. Jegliche Tricks helfen nicht: alles bleibt drin, auch die Übelkeit. Ich spiele mit dem Gedanken mich mit meinem Schlafsack einfach auf den kalten Boden im Gemeinschaftsbad zu legen. Wenn ich aber daran denke, dass am nächsten morgen alle um mich herum ihr Geschäft erledigen, wird mir noch schlechter. Ich muss zurück in die Stinkebude. Die Hin-und-Her-Gedanken wo ich jetzt am Besten schlafen soll, machen mich schläfrig bis ich darüber einschlafe.

Tag 08 – Der Kaugummi Pfad

Calzada de Béjar – Fuenterroble de Salvatierra (20,7 km)

Was für eine erholsame Nacht, dank Oropax! Auch die frische Bettwäsche hat ihren Wellness-Teil dazubeigetragen. Jetzt schnell ins Gemeinschaftsbad bevor alle Anderen aufwachen und es hektisch wird. Nachdem alle Sachen wieder an ihrem gewohnten Platz im Rucksack verstaut und wir hungrig am Tisch platziert sind, trudeln die andern müden Pilger nach und nach aus dem Schlafraum. Bei einem kleinen Frühstück (Standard: Toast, Zwieback, Butter, Marmelade, Café con Leche) führen wir uns Gespräch von gestern Abend mit Klaus, dem Rentner aus Ludwigshafen, fort. Nach dem Abendessen haben wir noch lange bei einer Flasche Wein zusammen gesessen und über das Pilgern, Träume und das Leben an sich philosophiert. Dabei hat uns Klaus auf eine Reise durch sein Leben als Ingenieur bei BASF, begeisterter Wanderer und Chorsänger, Vater von zwei Mittzwanziger Töchtern, aktiver Nachbar in Ludwigshafen und begeisterter Anhänger von Allem was mit Forschung zu tun hat, mitgenommen. Am Ende des Abends und am jetzigen Anfang des Tages sind wir mit der Frage beschäftigt: “Wer ist eigentlich der natürliche Feind der Ameise?” Sehr rätselhaft…

Tag 07 – Grenzgänger

Banos de Montemayor – Calzada de Béjar (12,5 km)

Tag 06 – Wenn Engel reisen

Carcaboso – Cáparra (19,8 km)

Eine Nacht geschlafen und der nächste Tag fühlt sich schon ganz anders an. Mein Körper hat sich von den gestrigen Anstrengungen erholt. Meine Laune auch. Die Tatsache, dass Streit etwas ist was passiert genauso wie die schönen Momente, relativiert das schlechte Gefühl. Erst die Kombination aus beiden Seiten, wie Feuer und Wasser, führen zum Seelenfrieden. Ying und Yang. Heute morgen fühle ich mich wie auf dem Weg dorthin. Ich wachse.